Montag, 3. November 2014

Zukunft für Ruanda!

Ruth Ratter ist bildung- und kulturpolitische Sprecherin der "grünen" Landtagsfraktion. Zur Zeit nimmt sie an einer Delegationsreise nach Ruanda teil. In ihrem ersten Blogbeitrag berichtet sie von ihrer Reise und der Situation der Ruander_innen 20 Jahre nach dem Genozid.


(23.10.2014) Nun sind wir schon fünf Tage in diesem Land unterwegs, das Ende des 19. Jhdts. zuerst von den Deutschen und nach dem Ersten Weltkrieg dann von den Belgiern als Kolonie vereinnahmt wurde. Bis heute sind die Spuren davon nicht zu übersehen, und wer weiß schon, ob ohne diese Vergangenheit der Genozid von 1994 überhaupt stattgefunden hätte, bei dem etwa eine Million Menschen barbarisch ermordet wurden. Die Frage ist für die heutige Bevölkerung müßig, wichtig dagegen ist es, Antworten zu finden auf die aktuellen Probleme der etwa 12 Millionen Menschen in diesem Land, das nur unwesentlich größer ist als das Rheinland-Pfalz, aber dreimal so viele EinwohnerInnen hat, mehrheitlich unte dreißig!

Auch für uns ist diese Frage wichtig, für die Delegation aus RLP, bestehend aus PolitikerInnen, MitarbeiterInnen im Innenministerium und dem Partnerschaftsbüro, aus Mitgliedern des Partnerschaftsvereins Ruanda, der Handwerkskammer sowie diverser Vereine, die sich seit Jahren um die Partnerschaft zwischen RLP und Ruanda verdient machen. Auch wenn bei allen Besuchen Fußbälle und Schecks übergeben, lange Reden gehalten und oft Urkunden unterzeichnet werden, geht es nicht "nur" um Hilfe zur Selbsthilfe, nicht "nur" um das Sammeln oder Investieren von Geldern, das Organisieren von Projekten, die auf Partnergemeinden abgestimmt sind, die teilweise schon seit mehr als dreißig Jahren bestehen. Stets feiern wir auch das Leben. Und die RuanderInnen machen es uns begeistert vor mit Gesang und Tanz, tischen auf und feiern...

Ebenfalls ein wichtiges Thema der Reise: die Fortschreibung der Zusammenarbeit der beiden Länder für die nächsten vier Jahre in den Bereichen Kultur, Bildung, Gesundheit und Justiz. Das Ergebnis ist einerseits konkret, z.B. wenn es um die digitale Sicherung der Akten der Schiedsgerichte über die Verbrechen des Genozids geht, andererseits interpretationsbedürftig, etwa bei der Ausgestaltung bildungspolitischer Maßnahmen. Vieles erwächst im Gespräch mit den Fachleuten, Kooperationen werden vereinbart, der persönliche Kontakt erweist sich als unbezahlbar. Die Gesprächspartner weisen auf Defizite hin, teilweise scheinen sie sich die Gelder erhoffen, die auch in RLP nicht mehr üppig sprudeln.

Dass die Uhren in Afrika anders ticken als in. Europa, lässt sich kaum leugnen: Zeit ist dehnbar, Entfernungen erweisen sich zwar meist als überbrückbar, aber Verabredungen sind nur schwer unter europäischen Vorstellungen einzusortieren. Das kommt mir gelegen, wenn auch nicht meiner Ungeduld: Zu gern würde ich Ideen rasch verwirklicht sehen, Visionen in Realität umgemünzt! Es gibt unglaublich viele gute Ansätze in diesem Land, aber es fehlt an allem außer an Arbeitskräften!

Was besonders haften bleibt:

  • die mit dem zweiten und dritten Preis des Kwetu Filminstituts ausgezeichneten Kurzfilme über die Folgen des Genozids im Jahr 2014
  • Begegnungen mit Menschen, die sich persönlich einsetzen für Verbesserungen in Ruanda, gleich welchen Alters oder Geschlechts ob im FSJ, als SeniorexpertInnen, in ihrem beruflichen Kontext oder einfach im Ehrenamt
  • die Gewissheit, dass immer noch viel mehr geht, wenn man/frau nur will!

Natürlich kamen auch neben vielen Begegnungen mit den Leuten in Ruanda die Tiere nicht zu kurz. Im Akagera Nationalpark zeigten sie sich uns von allen Seiten: prustend die Hippos, graziös die Gazellen, angriffslustig die Büffel und überragend die Giraffen. Mehr dazu im zweiten Teil, der bald nachgereicht wird.

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